Klingt nun wie aus dem Evangelium des Johannes zitiert - ja und nein - auch bei der 6. Vernissage in der Galerie Kimmig stand am Anfang ein Wort: Unterstellung. Die Freiburger - und aus aller Welt angereisten Künstler, haben wieder einmal bewiesen, was aus so einem Wort alles gemacht werden kann und welche gewaltigen Interpretationspielräume in ihm stecken. Aber starten wir am Anfang...
Die charmante jedoch vollkommen metamorphisierte Galeristin und ihr immer lockerer Kurator bei der Unter- Vorstellung der stilisierten Landeswappen Baden-Württembergs
Die Galeristin Birgit K. hatte seit der letzten Vernissage vor rund einem Jahr eine Metamorphose von der Geowissenschaftlerin zur Juristin inklusive einer hochgradigen Schwäbisierung durchgemacht, was sich nicht nur im Outfit, sondern auch in den angebotenen Speisen wiederspiegelte: die Künstlergemeinde wurde mit klassisch urschwäbischen Gerichten versorgt. Dies tat der Veranstaltung jedoch keinen Abbruch, die so sichtbare Metamorphose unserer Galeristin spiegelte sich auch in einigen Kunstwerken wieder, die sich mit der pesönlichen Situation der Galeristin auseinandersetzen. So findet sich die Metapmorphose und das Metapher in vielen der nun vorgestellten Werke.
Die Werksschau
Die auffallend oft grün gekleideten Künstler bei der Werksschau
Als Kunstblogger ist man ja nicht der Verkostung schwäbischer Hausmannskost verpflichtet - auch wenn Gaisburger Marsch, Linsen, Spätzle und Saitenwürschdle und Kohl-Speckkuchen sehr verlockend sind - sondern vielmehr einem kritischen Blick auf die Kunstwerke.
Insgesamt waren 26 Kunstwerke zu bewundern, zwei Künstler stellten zum ersten Mal ihre Werke in der Gallerie Kimmig aus. Dieses Wachstum von 17 Werken in 2015 auf 26 dieses Jahr, ließen Grüchte sprießen, dass es in der Zukunft eine Vorauswahl der Kunstwerke geben wird - möglicherweise A und B Vernissagen, was nicht allen KünstlerInnen unlieb zu seien scheint.
Die Eröffnung: 10 Zehen zwischen 8 und halb 9 von Klaus K.
Die Eröffnung starte gleich mit einem echten Knaller - ein Dreifach-Tryptychon mit 10 Zehen zwischen 8 und halb 9. Erste Aaahs und Ooohs - dann verhaltenes Gemurmel: wo war da was unterstellt - oder der unvermeintliche Bezug zum Ministerium fragten sich einige Künstler und das Publikum. Doch die Freiheit der Kunst und die Freiheit der Gedanken wischen da jeden Zweifel weg, schließlich waren die 10 Zehen - wenn man so will - ihren Füßen und die den Beinen, die wiederum dem Körper und letztlich dem Kopf und Geist unterstellt....baah Schluß jetzt, machen wir weiter.
Auch eines der nächsten Werke hatte einen ähnlichen Ansatz und stellt ebenfalls eine Hierarchie dar.
"Übersitzung" - Vorstellung durch den Künstler Götz H.
Dann die nächste Sensation: der eigens wieder aus New York angereiste Performace-Künstler Reiner S. , 2014 noch in tiefer künstlerische Krise verhaftet, im Vorjahr dann mit seinem konsequent verfolgten Typograghischen Symetrismus wieder einer der Starsder Szene, gab bekannt, dass er zukünftig nicht mehr selber Kunst macht sondern...aber seht selbst:
Bettina M. - in den letzten Jahren bekannt für ihre Miniaturen - schluf diesmal ein Werk, dass den weiten Bogen zur Augmented Reality schlägt, also der angereicherten Realität und begibt sich damit in den Bereich der Informatisierung der Handlungsumwelt. Symbolisiert durch einen einfachen QR-Code...der glatte Wahnsinn. Ein Test eines Smartphonebesitzters zur Folge, führt der geheimnisvolle Code direkt in das Zentrum der Macht, nicht das der dunklen Macht, sondern der grünen Macht...
Bettina M. mit dem geheimnisvollen grünen QR-Code.
Neben vielen tollen weiteren Werken, die den Bogen von der einfachen Unterstellung, über die 6-fache Unterstellung bis hin zur Überstellung zur "Landesmutti", möchte ich noch drei Werke erwähnen, da wären die beiden Novizen, Steffen G. und Elmar H., die erstmalig dabei waren und zwei Werke, die physisch nicht unterschiedlicher sein können, jedoch beide sich dem Thema Metamorphose angenommen haben.
Elmar H. bei der Vorstellung seiner Metamorphose und rechts die metamorphisierten Stelen der Unter-Stelung von Steffen G.
Als letztes noch der kleine grüne Frosch - ja wieder grün ist die zentrale Farbe - der unter dem Hammer sein Schicksal erwartet. In diesem Werk spiegeln sich viele Facetten des heutigen Abends wieder, Unterwerfung, Unterstellung, Metamorphose und Wiederauferstehung...
Ohne Namen: Rahmen mit Frosch und Hammer von Jasper J.
Finale Furioso
Dann war da noch das Finale Furioso - das tobende, wilde Ende der Werksschau - fast als wäre die legendäre katalanische Künstlergruppe La Fura dels Baus durch die Oberrieder Str. gezogen. Auf die Hintergründe des Werks "Gruppenunterstellung" möchte ich dan dieserStelle nicht weiter eingehen - ein Blick in die filmischen Archive des Abends soll hier ausreichend sein:
Fazit
Das Fazit fällt kurz und knapp aus: Auch nach 6 Jahren sieht man keinerlei Ermüdungserscheinungen, auch wenn der Eine oder Andere seine oder ihre Schwerpunkte verlagert hat, die Vernissagen der Galerie Kimmig waren und sind ein Highlight der Freiburger Kunstszene. Gerüchten zufolge stehen die Mottos für die nächsten 5 (!) jahre bereits im Terminkalender unserer Galeristin fest.
Heute Abend ist es nun soweit - die Türen der Galerie Kimmig öffnen sich zur Vernissage mit dem Thema "Unterstellung". Der Schreiber dieses Blogs ist bereits in seinem letzten Post auf die Verbindung zur Philosophie eingegangen und der aus seiner Sicht unvergleichbaren Möglichkeiten, die sich der Künstlerschar zu diesem Thema bieten.
Um die Zeit bis zur Eröffnung kurz zu gestalten - der SC spielte ja bereits gestern Abend 0:3 in Köln - ole, ole - nein oje, oje - besuchte ich eine Kunstausstellung, auch um mich schon mal einzustimmen auf den Abend, sozusagen in den Künstlerblogger-Modus zu gelangen.
Im Damen-Modehaus Kaiser gibt es gerade die Ausstellung "Fashion Meets Art", in der sich eine ganze Reihe namhafter Künstler dem Thema Fashion angenommen haben, meist anhand eines Kleiderbügels - was auch sonst in einem Modehaus ist dermaßen präsent wie der Kleiderbügel.
Kathrin Messerschmidt hin und her
Beim Betrachten der Werke traf mich eine Erkenntnis plötzlich wie ein Schlag...hatte ich das Thema "Unterstellung" völlig falsch interpretiert - hatte ich doch den hermeneutischen Ansatz gewählt: Verstehen als Zwiesprache. Doch urplötzlich fiel mir die neue Arbeits-Liaison unserer Galeristin im Umfeld Ökologie und Ästhetik ein - Stuttgart - Freiburg...hin und her. Sollte das Thema "Unterstellung" am Ende eine so einfache Bedeutung bekommen? Jetzt war ich hin und hergerissen zwischen diesen zwei gegensätzlichen und doch komplementären Polen. Im Grunde kann die Vernissage dadurch nur noch spannender werden...also noch ein paar Stunden und es werde Licht in der Galerie Kimmig.
So lautet ein Zitat von Alexander Eilers, dass uns auf die Kunst übertragen sagen will: Alles ist möglich, nur verstehen wir es oft nicht richtig..Verstehen ist eine Kunst!
Kleine Hermeneutik des Schweigens; Thomas Locher, 1992
Nun ist es also wieder soweit - die Galerie Kimmig lädt am 17. September zur bereits 6. Vernissage unter dem vielsagenden Titel: Unterstellung. Das lässt zu diesem Zeitpunkt reichlich Platz für Spekulationen. Sicherlich sind die einschlägigen Künstler der Szene bereits am Planen und Werken um der Herausforderung hinter diesem Motto gerecht werden zu können. Und da sind wir auch schon wieder bei unserem Thema: die Hermeneutik in der Kunst - die Kunst des Verstehens oder die Kunst der Auslegung?
Wir sind also wieder sehr gespannt, was uns erwartet, als Blogger spitzen wir schon Mal den virtuellen Bleistift und freuen uns auf den September, der die Freiburger Kunstszene wieder mit einer spannenden Vernissage bereichern wird.